Zurück in Frankfurt

Samstag, 26.10.2013

Gegen  15 Uhr sind wir wieder gelandet. Die beiden letzten Blogs habe ich offline im Flieger geschrieben. Die 10 Stunden Rückflug sind schneller vergangen als die 9 Stunden Hinflug. Habe öfter aus dem Fenster schauen können, unter uns Gebirge und Weiten, die ich geografisch nicht wirklich zuordnen kann. Mein Bild ist halt doch sehr westeuropäisch, dabei haben die letzten 5 Tage noch mal  deutlich gemacht, dass wir eben nicht der Nabel der Welt sind. Am Frankfurter Flughafen heißt es dann von der Gruppe Abschied nehmen. Nach so einer gemeinsamen intensiven Woche fällt das nicht leicht. Michael mußte schon vor dem Fototermin seinen Zug nach München bekommen. 

Jetzt erhole ich mich erst mal und in den nächsten Tagen gibt es dann noch mehr Eindrücke aus China und auch Kurzberichte zum Fachprogramm.

Abschied am Frankfurter Flughafen

Chuan wird Stefan

Samstag, 26.10.2013

In China finden wundersame Verwandlungen statt. Aus Xu Cuan wird Stefan, aus Zhou wird Joe, Kerstin und Frank zwei Germanistikstudent_innen der Uni in Tijiuan begleiten uns drei Tage. Die Chines_innen glauben nicht ganz zu Unrecht, dass wir Europäer_innen und Amerikaner_innen uns ihre Namen nicht merken und aussprechen können. So sind sie freundlich und wählen sich europäische bzw. amerikanische Namen. Oft geschieht dies im Englischunterricht in der Schule. Dass es auch umgekehrt möglich ist, zeigt das Beispiel unserer Delegationsleiterin Dorothea, die von ihren chinesischen Kolleg_innen mit dem Namen Wendoli bedacht wurde. Mir scheint das ein Ritterschlag zu sein.

Inzwischen lernen die meisten Chines_innen ab der 2. Klasse Englisch. Zurzeit ist jedoch die Möglichkeit mit Englisch durchzukommen auch in so einer großen, vom Tourismus entdeckten Stadt wie Peking sehr bescheiden. Viele Menschen haben noch eine schlechte Fremdsprachenbildung und wenig Praxis. Auch Funktionäre des Jugendverbandes oder Kellner im 5 Sterne Hotel verstehen nicht, was ich möchte. Da hilft dann oft nur Hand und Fuß oder die Unterstützung unserer Begleiter_innen, die einen fantastischen Job gemacht haben. Es ist für mich und auch andere in der Gruppe wirklich sauschwer sich chinesische Begriffe und ihre Aussprache zu merken. So kann ich erst seit gestern einigermaßen ordentlich danke sagen, d.h. von vier Menschen verstehen mich drei. Nur guten Tag – ni hao schaffe ich ab dem 2. Tag. Und das war es dann. Üblicherweise lerne ich wenigstens 100 Vokabeln des bereisten Landes, sogar in Ungarn waren es ein Dutzend. Richtig stolz war ich gestern im CD-Laden, den ich mit einem fröhlichen Ni hao betrat, dann im Regal suchte und auf chinesisch gefragt wurde, was ich denn wünsche. Mein Achselzucken und verständnisloser Blick bewirkte einen Wechsel zu einem in diesem Fall exzellenten Englisch. Nach dem Kauf einer CD mit zeitgenössischer Pianomusik wurde ich noch gefragt, ob ich in Peking lebe. Man kann mich schnell glücklich machen.

Neben diesen dürftigen Alltagsmöglichkeiten auf Englisch gibt es gleichzeitig sehr viele sehr gut Englisch- und oder Deutschsprechende. Mir fällt dabei auf, dass die Deutschstudierenden ein exzellentes Deutsch fast ohne grammatische Fehler sprechen und Xu Chuan gendert sogar seine Übersetzungen. Kerstin und Frank lernen im 3. Jahr an der Uni Deutsch und haben ein Niveau erreicht, dass sie alle Alltagssituationen und darüber hinaus sprachlich sehr gut bewältigen lässt. Ich fürchte nicht nur bei mir wäre ein zweijähriges Chinesisch-Studium nicht von derartigem Erfolg gekrönt. Ob dies am größeren Fleiß oder Talent der Chines_innen liegt, bleibt offen.

Die chinesischen Schriftzeichen bilden im Alltag keine Hürde. Straßenschilder, Gebäude etc. haben lateinische und chinesische Buchstaben. Hierfür gibt es eine klare Übersetzungsumschrift. Sie wird auch für eine der wichtigsten chinesischen Kommunikationsformen Chatten und SMS schreiben benötigt. Stefan zeigte mir wie es geht: Er wählt auf seinem Smartphone eine Taste aus, z.B. 1 für ABC und erhält dann alle möglichen chinesischen Schriftzeichen, aus denen er sich wieder eins auswählt. Dass es so einfach nicht sein kann, wenn man eine Buchstabenschrift in eine „Bilder“schrift übersetzt, wird mir gerade erst beim Schreiben klar. Sie scheinen es jedenfalls gut hinzukriegen, allenthalben ist jemand mit seinem oder ihrem Smartphone beschäftigt. Selbst in offiziellen Meetings oder beim Festessen schellt das Telefon der Gastgeber_in, wenn sie den Anruf annimmt, entschuldigt sie sich und geht kurz raus, in anderen Settings wird einfach telefoniert. All überall kommen SMS an und der Samsung SMS Ton hat mich mehr als einmal in die Tasche greifen lassen. Ich habe hier fast nur Apple oder Samsunggeräte gesehen.

Langnasen drängeln mehr!?

Samstag, 26.10.2013

Auch wenn ich mich im Vorfeld bemüht habe, immer wieder die Erkenntnis zu aktivieren, dass Menschen verschieden sind, so bin ich doch mit bestimmten Bildern im Kopf nach China gereist. In Düsseldorf-Niederkassel aufgewachsen, war mein Bild von Asiaten und –innen: Sie sind sehr höflich, zurückhaltend, zeigen wenig Mimik und Gestik und lachen nicht so oft wie wir. Im Vorfeld habe ich dann auch gehört, dass Chines_innen drängeln, wenig Individualität zeigen und anderes mehr.

Mein gestriger einstündiger Aufenthalt in einem touristisch stark geprägten Hutong Viertel war die Spitze vieler  Enttäuschungen meiner Vorurteile. In zahlreichen Gesprächen habe ich sie genau beobachtet: Sie zeigen Mimik und eine nicht ausufernde aber doch häufige Gestik beim Sprechen. Natürlich  gibt es individuelle Unterschiede, aber im Schnitt sind die Gesten nicht sparsamer als in Deutschland.

Drängeln kann ich mindestens genauso gut. Das habe ich gestern Abend im besagten Viertel unter Beweis gestellt: Nachdem ich in einem Laden für Täschchen, Schmuckdöschen und andere lebensnotwendige Dinge viel zu viel eingekauft, zulange verhandelt und dabei die Zeit verdaddelt hatte, blieben mir nur noch wenige Minuten, um zum Treffpunkt zu kommen. Zu allem Überfluss lief ich die Hauptstraße zu Anfang auch noch in die falsche Richtung. Da auch in teuren Läden (ausgewiesen durch Mastercard und Visacard sowie vierstellige Preise für schöne Tücher) niemand meine englische Frage nach dem Weg verstand, ging ich in die Rezeption eines Backpackers. Dort wurde mir gesagt, wie ich in five minutes zum Treffpunkt komme. Dank meiner Frankfurter U-Bahn erprobten Drängelkünste schaffte ich es in wenig mehr als 2 Minuten. Gleichzeitig habe ich mir den Zorn eines Rikschafahrers zugezogen. Ich dachte, es wäre eine gute Idee, zwischen zwei derartigen Gefährten zu rennen und zu drängeln. Der vordere sorgt für die Gasse, da bleibt Platz für mich, während hinter dem zweiten sich die Menschenmenge wieder voll über den Weg verteilt. Leider war der Fahrer des 2. Gefährts von dieser Aufteilung nicht überzeugt und schimpfte sehr massiv und  verfluchte mich. Auch wenn ich kein Wort verstand, war die Botschaft eindeutig. Ich gab also meinen bevorzugten Platz wieder auf und drängelte mich weiter nur mit  Unterstützung meiner Arme durch. Auch ansonsten war ich nicht untätig, um das Image der Langnasen als Dränglerinnen zu steigern. Im Ernst habe ich in Peking nicht mehr Gedrängel erlebt als es in den entsprechenden Situationen zu erwarten ist. In Frankfurt wird auch mehr gedrängelt als im Schwarzwald. Situationen, die bei uns regelmäßig zu Chaos führen wie z.B. das Zug ein- und Aussteigen sind zumindest bei den Schnellzügen so organisiert, dass kaum Chaos entsteht.

Chines_innen lachen auch gerne. Manchmal auch leicht schadenfroh. Gestern Abend im öffentlichen WC am TainemPlatz hatte ich Schwierigkeiten, Wasser aus dem Hahn zu locken. Die Reinigungskraft zeigte mir den Mechanismus, bei mir funktionierte es anfangs immer noch nicht, um dann endlich mit einem Riesenschwall herauszuspritzen, so dass ich mich in Sicherheit bringen musste. Ein herzliches von leichter Schadenfreude durchzogenes Lachen war ihre Antwort. Auch Blickkontakte und anschließendes gemeinsames Lächeln in Alltagskontakten funktionieren durchaus. Kurzum auch hier musste ich meine Vorurteile revidieren.

Viel erlebt

Freitag, 25.10.2013

Es ist halb zwei nachts und ich sitze am letzten Abend/Nacht im Hotelzimmer in Peking. Wir haben soviel erlebt und gesehen, dass es sicher noch einige Zeit dauert, bis ich das alles verarbeitet habe. Hier ist alles groß und zum Teil auch großartig. Ich erlebe ein Land voller Aufbrüche und Power. Ich muß mir immer wieder klar machen was das für eine Dimension ist. Wenn jemand wie Stefan in der Nähe von Peking aufgewachsen ist, dann ist das z.B. auch 550 km entfernt. Also Hamburg-Frankfurt.

Die soziale Arbeit beginnt hier, es entstehen viele neue Projekte mit hoch engagierten Menschen, die nach dem richtigen Weg suchen. Spannend ist, wie sie die neuen Medien in der Beratungsarbeit einsetzen.

Chinesen sind viel herzlicher,offener und nach Antworten suchend als ich erwartet habe. Sie sind auch verschiedener, nicht nur im Aussehen, auch in Habitus und Meinung.

Ich würde gerne Jugendlichen die Möglichkeit geben, das hier kennen zu lernen. Außerdem komme ich bestimmt auch als Reisende wieder.

Es war eine tolle Erfahrung für mich persönlich und auch fachlich. Viele deutsche Diskussionen erscheinen vor diesem Hintergrund in einem anderen Licht. Gegen die Stimmung erscheint Deutschland oft als Jammertal.

Nun will ich noch das großartige Zimmer genießen und gehe in die Badewanne. Schlafen kann ich auch zu Hause. Von dort werde ich über den Besuch in diesem Blog noch weiter berichten.

Karaoke in Tianjin

Donnerstag, 24.10.2013

Mit diesen Bahnbediensteten kann die DB nicht mithalten

Im Schnellzug nach Tijian

Kaum zu glauben: Unsere Zeit in Tianjin ist schon fast vorbei. Heute waren wir in einer Behinderteneinrichtung, die uns alle sehr beeindruckt hat - dazu bald mehr, dann in einem Joint Venture zwischen Jugendpalast und Shopping Mall. Hier wird der Gedanke den wir in der AG Mädchenpolitik schon mal hatten praktiziert Lächelnd

Danach in der Universität. Jetzt geht es in die Karaokebar - machen die hier mindestens so gerne wie die Japaner_innen. Für mich wieder mal eine neue Erfahrung. Vielleicht schreibe ich heute nacht noch mal

Bayern in Tianjin

Dienstag, 22.10.2013

Im Ausgehviertel ist offensichtlich deutsches Bier inZum Glück spielen sie keine bayrische MusiJoe und Stefan

Nach interessanten Arbeitseinheiten am vormittag sind wir am Nachmittag in Tianjin angekommen.  Eine 13 Millionen Stadt am Meer, von deren Existenz die meisten von uns letzte Woche noch nichts wussten.  Jetzt um 22 Uhr sind wir echte Touries und trinken Bier im Paulaner aus der Bierwelthauptstadt - zumindest nach den Infos der Speisekarte. Natürlich gibt es hier auch Brezel,  Schmankerl und Hax'n.

Seit mehr als 12 Stunden in China

Montag, 21.10.2013

Nach 9 Stunden in der A 380 landen wir völlig müde und auch etwas überdreht in Peking. Der Weg in die Stadt dauert mit unserem Kleinbus eine Stunde. Die Verkehrsmassen sind enorm, vier- und fünfspurig in einer Richtung Stau. Viele Taxis, die meisten Autos aus Europa und Japan, VW dominiert nach meinem Gefühl.

Kurz Frischmachen und das Zimmer ins Babs-übliche Chaos versetzen. Danach Mittagessen mit unseren beiden netten Begleitern, Stefan - wie er sich auch nennt - (den chinesischen Namen werde ich erst morgen aussprechen, geschweige denn schreiben können) aktiviert durch Beispiele meine Lernerfahrungen mit Stäbchen.

Dann wieder eine Stunde Fahrt - die Stadt ist immens und der Verkehr ebenso - zum Rainbow House Youth Service Center. Wir sind immernoch in der "Innenstadt". Die Leiterin des "Hauses" erläutert uns ihre Angebote für Jugendliche, die nicht in der Schule sind, arbeitslos sind oder andere Probleme haben. Assistiert wird sie von einer ehemaligen Beamtin aus dem Gerichtswesen, die sich um jugendliche Straftäter kümmert und der Verantwortlichen für die Schulung der Freiwilligen bzw. Praktikant_innen. Im wesentlichen bauen die Freiwilligen Beziehungen zu den Jugendlichen auf und versuchen sie durch unterschiedliche Angebote vor allem aus dem Bildungsbereich u.a. Führerschein und IT-Kenntnisse zu fördern, auch Bewerbungstrainings gibt es. Sie haben 3-4 Hauptamtliche und zahlreiche Freiwillige. Das Haus besteht im wesentlichen aus 2 angemieteten Räumen in einem Haus mit weiteren (Öffentlichen) Institutionen. Ihre Zielgruppe finden sie durch eigene Recherchen in den communities aber auch durch Informationen von staatlichen Stellen. Mich beeindruckt die Energie und Power der chinesischen Kolleginnen. Ich erhalte den Eindruck, dass sie in dem für sie gesellschaftlich noch relativ neuem Feld der Sozialen Arbeit Erfahrungen sammeln und reflektieren wollen. Sie strahlen eine ungeheure Dynamik aus. Sehr interessiert wollen sie wissen, wie wir unsere Arbeit angehen. Der Fachaustausch lässt sich sehr gut an.

Danach wieder eine Stunde Fahrt ins Hotel und nach 10 Minuten wieder in den Bus um 250 m weiter zu einem berühmten Pekingentelokal zu fahren. Hier hat uns Frau Dong Xia, stellvertretende Generalsekretärin des Allchinesischen Jugendverbandes ACYF zum Essen eingeladen. Ein gelungener Abend. Das Essen ist fantastisch. Frau Dong Xia schildert uns die Aufgaben der Jugendarbeit im Kontext der allgemeinen chinesischen Entwicklung.

Inzwischen sind wir zwar alle sehr k.o. laufen aber trotzdem noch ein bißchen durch die Stadt. Jetzt ist es 22 Uhr durch. Der Tag war so voll von Eindrücken, auch bei den Busfahrten versuche ich viel vom Stadtgeschehen mitzubekommen, Gespräche mit unseren Begleitern und in der Gruppe, viel neu - jetzt bin ich platt. Morgen geht es nach einer Diskussion mit chinesischen Esperten am Hauptsitz der ACYF weiter nach Tianjiin. Ca. 120 km mit dem Zug in 33 Minuten - das soll die Bundesbahn mal nachmachen.

Ich habe schon massig Fotos gemacht, werde aber erst morgen welche hochladen. Das Bett ruft.

Auf dem Weg

Sonntag, 20.10.2013

Nach vielen Informationen über China und einem hervorragenden Vorbereitungsseminar geht es jetzt endlich los. Wir sind auf dem Weg zum Flughafen. 

Vorbereitungsseminar

Samstag, 19.10.2013

In einer Stunde beginnt unser Vorbereitungsseminar im Spenerhaus in Frankfurt. Lerne dann die Mitfahrenden kennen.

Bald geht es los

Donnerstag, 17.10.2013

Fünf Tage China

 

Am Sonntag geht es los.

Ich werde mit 5 anderen Pädagog_innen nach Peking und Tainjin reisen. Es ist ein deutsch-chinesisches Fachkräfteprogramm zum Thema „Soziale Integration benachteiligter Jugendlicher“ und wird von der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. (IJAB) organisiert.
Informationen zum IJAB

Als mir die Ausschreibung im Sommer begegnete, hatte ich gerade etwas Zeit und so habe ich mich beworben, ohne mir große Chancen auf die Teilnahme zu machen. Umso größer war meine Freude, als ich die Zusage bekam.

Ich bin sehr gespannt auf China und die Begegnungen mit den Menschen und den Fachkräften vor Ort. Ich hoffe, dass ich es bei dem dicht gedrängten Programm schaffe, täglich zu schreiben.